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Touching Hanoi & vietnamesische Polizeischikane

26. März 2006

Nachdem mir zahlreiche Rechner hier den Dienst bzw. den Zugang zu meinem Weblog versagt haben, hab ich nun endlich wieder Glueck und kann einen Eintrag machen. Das word zwar nicht leicht, weil die Buchstaben auf der Tastatur nicht mehr zu erkennen sind, aber gluecklicherweise kennt meine Hand inzwischen die Positionen ganz gut.

Aaaalso: Nach Hoi An bin ich mit Normi in den Bus gestiegen und wir sind weiter noerdlich in Hue wieder ausgespuckt worden. Weltkulturerbe, alte Kaiserstadt, verbotene Stadt, aehnlich wie in Peking und beeindruckende Sehenswuerdigkeiten ueberaupt – so warb der Stefan Loose Reisefuehrer und lenkte auch unsere Schritte in diese Stadt. Aber: Ich bin der Meinung: voellig ueberbewertet. Klar, es gibt ein paar alte Sachen zu sehen, von der verbotenen Stadt allerdings ist kaum was uebrig und innerhalb der Mauern sind fast nur Wiesen und Ansaetze von Treppen zu sehen – alles in allem eher unspektakulaerm wobau noch dazu kommt, dass die Stadt kein wirkliches Stadtbild hat. Ich fands denn auch gar nicht so wild, dass wir nur zwei halbe Tage fuer Hue einheplant hatten. Am Donnerstag hatten wir uns mit einem Spaziergang die verbotene Stadt erlaufen, die, wie gesagt wenig erhalten, innerhalb der Zitadelle lag. Normi als Archaeologe fand die alten Grundmauern denn auch wesentlich spannender als ich – aber sonst findet er in Rumaenien ja auch nur noch Grundrisse in Lehmboeden, da sind ein paar Mauern schon ne ganze Menge.

Ein Tor in der verbotenen Stadt in Hue

Ein Tor in der verbotenen Stadt in Hue

Am Freitag haben wir uns dann mit einem Ciclo, aehnlich einer Rikscha, durch die Zitadelle radeln lassen und haben noch ein paar ganz interessante, wenn auch nicht spektakulaere Ecken gesehen. Interessant war beispielsweise, dass es teilweise richtig doerflich in den Stadtmauern wirkte, es kleine Seen und Teiche gab, was wir uns so nicht vorgestellt hatten. Am Mittag holten wir dann unsere Backpacks aus dem Hotel und fuhren zum Bahnhof. Dort lieg bereits Tinka ueber den Vorplatz und Hauke wartete im Bahnhof. Unser Zug nach Hanoi sollte eigentlich um 1535 fahren, kam aber etwa eine Stunde spaeter. Beim Reisen verzeiht man so was aber mal. Ausserdem hatten wir 4 ehrlich gesagt auf eine fette Verspaetung gehofft, um den Zug vorher schon zu einer sinnvollen Zeit in Namh Dinh verlassen zu koennen, was wesentlich naeher an unserem ziel (24km) Nimh Binh liegt, als Hanoi. Aber die erhoffte fette Verspaetung trat nicht ein, so dass wir wahrscheinlich gegen 4 Uhr Namh Dinh passierten und wir weiter bis Hanoi fuhren und dort einen Local-Bus nach Nim Binh zu nehmen und die 95 Kilometer in 2 Stunden wieder zurueck zu fahren. Um 9 Uhr rollte der Bus endlich in das haesslich Strassenstaedtchen Nim Binh ein, dass sich links und rechts der stark befahrenen und staubigen Nationalstrasse 1 erstreckt. „Staedteplaner nein Danke“ scheint auch in diesem Ort die Parole bei der Gruendung gewesen zu sein, so dass wir hier dem Reisefuehrer uneingechraenkt recht geben konnten, dass es hier absolut nichts zu sehen gaebe. Aber man steuert Nim Binh auch nicht wegen seiner aushesprochenen Haesslichkeit an, sondern wegen seiner malerischen und beeindruckenden Umgebung – die so genannte trockene Halongbucht. Hier ragen bizarre Keidefelsformationen mal wie Tierkoepfe, mal wie Pfeiler, mal wie Kegel und manchmal auch wie Huetchen aus den flachen Reisfeldern heraus. Aehnliche Felsformationen sollen wohl uns dann auch im Meer in der richtigen Halongbucht erwarten. Gestern morgen liehen wir uns dann wieder zu viert 2 Hondas im Hotel und steuerten nach einem kurzen Abschnitt ueber die N1 so schnell wie moehlich in Richtung kleine Feldwege zwischen den Reisfeldern hindurch. Links und rechts schoben sich die Kreidefelsen immer wieder in den Block, die aussehen, als haette der Teufel von unten Dellen in die Erdoberflaeche gepocht. In den Reisfeldern arbeiteten Frauen und Maenner mit ihren klassischen Dreieckshueten und in den Doerfern, die wir durchquerten, winkten uns begeistert die Kinder zu. Wenn wir mal anhielten, dauerte es auch meist keine 2 Minuten bis sich eine ganze Schar kleiner Vietnamesen um unsere Motobikes versammelt hatten.

Eingang in die verbotene Stadt in Hue in der Abenddämmerung

Eingang in die verbotene Stadt in Hue in der Abenddämmerung

Meistens stehen sie nur rum und glotzen, fragen „What’s your name?“ (wobei das meist auch schon alles ist, was sie auf Englisch koennen) und fangen an sich zu draengeln und Grimassen zu schneiden, sobald man die Digi rausholt. Wenn sie dann noch ihre Grimassen in dem kleinen Bildschirm hinten drauf erkennen  koennen, gibt es, wie man frueher gesagt haette, grosses Hallo. Echt witzig und es macht auch Spass.

Normi und ich auf unserem Gefährt

Normi und ich auf unserem Gefährt

Am Abend hatten wir dann den Rueckweg durch die Reisfelder angetreten und nach dem Abendessen stand dann nur noch eine Partie Doppelkopf auf dem Programm.

Fuer heute hatten wir einen Besuch im Nationalpark Cuc Phoung geplant und wollten in aeltesten Nationalpark Vietnams eigentlich auch ein bisschen wandern gehen, wenn uns mal die Polizei nicht so lang mit sinnloser Schikane aufgehalten haette.

Take a picture!

Take a picture!

Am Morgen hatten wir wieder die zwei Hondas genommen und uns auf den Weg in den rund 50 Kilometer entfernten Park gemacht. Nach einem Abzweig wurden wir dann auf der Landstrasse von einem uniformierten Polizisten zur Seite gewunken. Wir folgten der Anweisung, obgleich uns schon klar war, dass die Polizei hier wohl ganz gern sich saemtliche Verstoesse ausdenkt, um vermeintlich reichen Dollartouristen die Kohle aus der Tasche zu ziehen. Zunaechst wurden wir nach unseren Paessen gefragt, die wir natuerlich nicht dabei hatten, da die vietnamesische Polizei verlangt, dass die Hotels die Paesse waehrend des Aufenthaltes zur Registratur eiziehen. Mit schweren Sprachschwierigkeiten wiederholten wir immer wieder, dass die Paesse im Hotel seien. Als dies offenbar verstanden war, holte der Wachtmeister einen Helm, streifte ihn mir ueber den kopf und versuchte wohl zu sagen, dass wir einen solchen beim motofahren tragen muessten. Hierzu ist zu sagen, dass ein Vietnamese mit Helm auf dem Moto eine auesserst seltene Erscheinung ist und man auch vom Vermieter ausgelacht wird, verlangt man nach einem solchen. Es gibt hier einfach keine Helmpflicht und haeufig noch viel seltener Helme. Aber er schien endlich was gefunden zu haben. Als wir aber unglaeubih mit den Koepfen schuettelten, verlangte er wieder nach unseren Paessen. Uns war zu diesem Zeitpunkt nicht ganz klar, wer jetzt mehr verunsichert ist, er oder wir. Als wir wieder erklaerten, dass die Paesse im Hotel seien, forderte er uns auf, die Motos auf einen Polizeikleintransporter zu schieben, auf dem bereits fuenf weitere Motos parkten. Irgendwie sollten wir sie wohl dort lassen und sie erst gegen Paesse wiedersehen. Soweit wollten wir allerdings nicht gehen und ich war das erste Mal in diesem Urlaub heilfroh, mein Handy dabei zu haben. Wir entschieden uns, im Hotel anzurufen und wollten den Wachtmeister mit unserem Hotel sprechen lassen. Als ich unserem Hotel unsere Scvhwierigkeiten klar gemacht hatte, gab ich an den Wachtmeister weiter, der aber gleich wieder auflegte, da er die Sache so wohl nicht regeln wollte. Der Hotelmann sagte mir nur am Telefon, wir sollten auf keinem Fall die Motos abgeben, einfach wuetend werden und mit der Botschaft drohen. Okay, also wieder den Reisefuehrer rausgeholt und die Nummer der deutschen Botschaft in Hanoi gewaehlt. Dort nahm zwar jemand ab, legte aber gleich wieder auf. Danke Frank-Walter, Deine jungs in Hanoi machen einen guten Job. Also suchten wir erneut nach einer anderen Nummer und wurden dabei die ganze Zeit von Herrm Wachtmeister beobachtet. Als er fragte,was wir taeten, sagten wir, wir riefen die Botschaft jetzt an. We call the german embassy! embassy – you understand?! embassy! Tinka hatten wir inzwischen losgeschickt, unter dem Vorwand auf Toilette zu muessen, das Portmonaie weitesgehend von grossem Geld und Dollar zu befreien, falls es nun doch auf eine Bestechungszahlung hinauslaufen sollte. Eine viertel Stunde war bereits mindestens vergangen, und die Polizei passte peinlich genau darauf auf, dass Einheimische sich nicht uns naeherten und versuchten uns zu helfen. Als ich, den Gedanken im Kopf ‚das sitzen wir jetzt einfach aus und versuchen die Botschaft weiter zu erreichen‘ mir eine Zigarette anzuendete, fragte mich der Wachtmeister nach einem Glimmstengel. Ich bot ihm an, einen zu geben, wenn wir dann weiterfahren duerften, was er aber fuer keine gute Idee hielt und sich lieber weiter aufs Nichtrauchen verlegte. Inzwischen hatte sich eine Polizistin in zivil zu uns gesellt und wollte wissen, wen wir versuchen anzurufen. Sie verstand dann offenbar ‚embassy‘ und sagte irgendwas zu ihrem Kollegen. Der war daraufhin ein wenig wie gewandelt, sagte „Deutschland? You Deutschland?…. Guten Taaag, guten Tag!“. Wir laechelten,sagten brav „ja – deutschland – guten tag“ und er sagte, wir koennten fahren. Zum Anschied gabs noch einen Handschlag, ohne Angabe von Gruenden durften wir also weiterziehen, ohne auch zu erfahren, warum wir angehalten wurden. Dass wir gleich die Botschaft kontaktieren wollten, war den Jungs dann wohl doch zu heikel. Wir machten nicht lang federlesen, aengstlich, sie koennten es sich noch anders ueberlegen, warfen die Hondas an und gaben Gas! Danach brauchten wir erstmal einen Kaffee und unser Plan, am Vormittag noch den Nationalpark zu erreichen war dahin. Gegen Mittag kamen wir am Parkeingang an, fuhren dann noch 20 Kilometer weiter rein und verlegten uns dann auf einen einstuendigen Spaziergang durch den Dschungelartigen Wald. Mehr Zeit waere hier sicher schoen gewesen, aber am Parkeingang wartet noch das Endangered Primate Rescue Center auf uns, ein Zentrum fuer bedrohte Affen.

Tinka und Hauke in der trockenen Halongbucht

Tinka und Hauke in der trockenen Halongbucht

Das wollten wir uns auch nich anschauen, und eben jenes sollte bereits um 4 wieder dicht machen. Wie geplant schafften wir den last entry und schauten uns das Zentrum an, in dem viele verschiedene Affenarten gehalten und geschuetzt werden. Das Zentrum ist ein Projekt der Franfurter Zoologischen Gesellschaft mit zahlreicher Unterstuetzung vor allem deutscher Tiergaerten, darunter natuerlich auch der Leipziger Zoo.

Felsformationen in der Halong-Region

Felsformationen in der Halong-Region

Den Rueckweg schafften wir dann die 70 Kilometer ohne weitere Polizeistopps und kamen noch kurz vor dem ganz-dunkel-werden wieder in Nim Binh an.

Morgen werden wir weiter wieder nach Norden ziehen und uns endlich als letztes Highlight die Halongbucht anschauen. Ausgangspunkt wird Cat Ba sein, eine Insel die 50 Tragflaechenbootminuten vor Hai Phong liegt. Dort wartet dann auch noch ein Nationalpark und vor allem die bizarren Inselformationen auf uns. Moeglicherweise bleiben wir auch weiterhin in Gesellschaft von Tinka und Hauke, aber das wird sich erst nich rausstellen. Soweit so gut, ich hoffe, auf Cat Ba gibts Internet. In diesem Sinne, Gruesse aus Vietnam,

Der Reisejakob!