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Zwischen einsamen Inseln

31. März 2006

Auf Grund grosser Probleme, in den Internetcafes einen positiven LogIn in mein Weblog machen zu koennen, kommen die Berichte in den letzten Tagen mit schleppender Regelmaessigkeit – tut mir leid, aber ich kann da nix aendern.

Also gut, wir sind nach der trockenen Halongbucht am Montag mit dem Bus aus Nim Binh raus und in das 3 Stunden weiter noerdlich gelegene Hai Phong gefahren. Von dort aus starten die Faehren nach Cat Ba, einer kleinen Insel, die zusammen mit hundert anderen Inseln in der Halongbucht Vietna, vorgelagert ist. Am Mittag hatten wir auch eine Faehre bekommen und sind dann nach 2 Stunden auch in Cat Ba gelandet. Cat Ba Stadt hat 5.000 Einwohner, einen kleinen HAfen in dem ein kleines floating village vor sich hintreibt (weiss nicht, ob die Einwohner dort mit zu Cat Ba gezaehlt werden), eine viel zu breite Uferstrasse, die mit 4 Spuren eindeutig fuer mehr Motos und Autos geplant wurde, als es auf der ganzen Insel gibt und ein paar Dutzend Hotels. Die Hoteljungs versuchen uns natuerlich schon direkt von der Faehre abzufangen und zu ueberzeugen, dass ihr Hotel (very cheap and good for you) das beste sei. Einer der Jungs kommt auch direkt von dem Hotel, dass wir uns aus unserem Angebot in den Reisefuehrern rausgesucht hatten. Das Hotel liegt diekt am Hafen, ist nicht sonderlich breit, dafuer aber 6 Stockwerke hoch und wir bekommen zwei Zimmer mit Hafen- bzw. Meerblick fuer zarte 5 Dollar zu pro Raum. Klasse. Die Zimmer waren so gut eingerichtet, dass wir schon fast geneigt waren, merh zahlen zu wollen, aber was will man machen, als sich einfach darueber freuen. Am Montag Nachmittag selbst war dann nicht mehr viel mit uns los. Die drei Strassen der Stadt hat man schnell erlaufen und die Statue Ho Chi Minhs auf dem Hausberg der Stadt wollten wir uns nicht unbedingt anschauen. Also nutzten wir die Zeit noch, eine Kajak- und Bootstour fuer 2 Tage ab Dienstag zu organisieren.

Ich galub, ich hatte es noch nicht erwaehnt, aber Hauke und Tinka leisteten (und leisten) uns auch weiterhin Gesellschaft. Fuer Dienstag hatten wir dann ein Boot klargemacht, dass nur fuer uns durch die Bucht und um die bizarren Felsen schippern sollte.

Unser privater Kahn... für einen Trip durch die Bucht

Unser privater Kahn... für einen Trip durch die Bucht

Dienstag Morgen wurden wir um 8 Uhr bereits von unserem Kaept’n und seinem 1. Matrosen erwartet. Kaum waren wir an Bord geklettert, startet er die Maschine und wir tuckerten in Richtung Hafenausgang. Kurz noch ein Stopp im floating village an der Wasser-Tanke, damit der Diesel auch fuer unsere 2-Tages-Tour reicht, und dann gings raus aus dem Hafen.

Bootstankstelle im Hafen

Bootstankstelle im Hafen

Wir passierten unzaehlige Mini-Fels-Inseln, die von der Flaeche her Mini, von der Hoehe aber meist bis zu 100 METERN gen Himmel ragten. Leider war das Wetter am Morgen eher dunstig und grau, was sich fuer Fotos nicht so gut machte, aber die Landschaft mit ihren bizarren Formen liess sich trotzdem gut geniessen. Besonders genial fanden wir 4, dass wir die Dschunke fuer uns 4 komplett allein hatten und im Prinzip ueberall rumturnen konnten, wo wir wollten. Die meiste Zeit verbrachten wir aber meist liegend ganz vorn und liessen so die Landschaft an uns vorbeiziehen. Gen Mittag machten wir halt bei einem schwimmenden Haus und nahmen dort 2 2er-Kajaks mit, mit den wir dann am Nachmittag allein durch die Inselwelt paddeln wollten. Vorher kochte uns der 1. Matrose noch eine leckere Seafood-Mahlzeit und gestaerkt kletterten wir dann in die Kajaks.

Essen auf Deck

Essen auf Deck

Direkt in der Naehe von floating houses zu paddeln ist dabei nicht so die Genuss-Wonne gewesen, weil dort eben auch das Meer als Toilette missbraucht wird und einem nicht selten unangenehme Faekal-Formationen im Wasser begegnen. Aber ein wenig weiter weg machte es dann auch richtig Spass, an den Inseln entlang zu paddeln und in die ein oder andere Hoehle reinzuschippern, die sich in den Felsen auftaten. Manchmal waren es einfache Hoehlen, manchmal aber auch auch Durchfahrten, die nur bei Ebbe passierbar waren und hinter denen sich dann eine voellig neue Bucht oder eingeschlossene Seen verbargen. Sehr geil, sag ich nur! Nachdem wir vom kajaken genug hatten, kletterten wir wieder an Bord unserer Dschunke, liessen den Kaept’n eine ruhigere Bucht ansteuern und weil dei Sonne sich nun endlich durchgerungen hatte, uns Gesellschaft zu leisten, plantschten wir ein wenig im Meer. Das Wasser war allerdings merklich kaelter, als im Sueden Vietnams, weshalb wir unser Badevergnuegen auch nicht unnoetig lang ausdehnten. Am spaeten Nachmittag tuckerten wir dann weiter durch die Inseln und an floating Houses vorbei. Am Abend navigierten wir in eine ruhige Bucht hinein, vorbei an einer besonders bizarren Felsinsel. Ein geschaetzte 70 Meter in die Hoehe ragender Fels, der einen Durchmesser von vielleicht 5 Metern aufwies und auf einem Sockel stand, der maximal 1,5 Meter Durchmesser besass – sowas sieht man wohl nur hier.

Unglaubliche Felsformationen

Unglaubliche Felsformationen

Als sich die Sonne dann langsam neigte, warf unser Kaeptn den Anker und unser 1. (und einziger) machte sich daran, das Abendessen zu bereiten. Mit dem letzten Tageslicht verspeisten wir Reis, Fisch und Clamarie in knoblauch auf Deck.

Die Sonne verabschiedet sich

Die Sonne verabschiedet sich

Als es dann dunkel wurde, eroeffneten wir unsere inzwischen typische abendliche Doppelkopfrunde im Taschenlampenschein und spielten, bis in der Kuehltruhe an Bord kein Bier mehr zu finden war.Das war allerdings dennoch nicht lang, weil die Jungs nur ein gutes Dutzend kleine Bierdosen mit auf die Reise genommen hatten. In der Nacht machten wir noch die tolle Entdeckung, das das Wasser leuchtet wie ein Sternenregen, wenn man e mit Wasser bespritzte. Was genau das war, darauf konnten wir vier uns nicht einigen. Leuchtfische jedenfalls konnten wir nach einer Wasserprobe in unserem Spueleimer der Bordtoilette ausschliessen. Die gleiche Probe stuetze wohl eher Tinkas These, dass es sich bei den leuchtetenden Partikeln um eine Art Luchtplankton handeln muss. Aber wie gesagt, keiner von uns ist Meeresbiologe – deshalb freuten wir uns einfach nur am glitzernden Wasser und dem Sternenhimmel ueber uns. Die Nacht verbrachten wir in unserer Kajuete, aus Angst davor, dass es draussen doch zu feucht werden koennte. Kaeptn und sein Kollege schliefen auch mit in der gleichen Kajuete, wobei ihr Bereich durch ein Tuch abgetrennt war. Am naechsten Morgen gings dann auch mit dem Sonnenaufgang in den Tag. Nach dem Fruehstueck stiegen wir wieder in die Kajaks und paddelten durch die Bucht, erkundeten wieder neue Seen, die durch die Ebbe wieder zugaenglich waren. Spaeter tuckerten wir dann mit unserer Motordschunke weiter. Auf dem Weg machten wir an einer richtig grossen Grotte halt, die wir uns dann zusammen mit unserem Matrosen anschauten.
Gegen Mittag steuerten wir dann langsam wieder in Richtung Cat Ba, machten unterwegs aber nochmal eine mehrstuendige Kajak- und Schwimmpause und tuckerten am Nachmittag wieder zurueck nach Cat Ba.

Silhouettenspiele am Abend

Silhouettenspiele am Abend

Dort organisierte sich Tinka dann ein Ticket nach Hanoi, weil sie uns drei Jungs bereits einen Tag frueher verlassen wollte – Shopping in Hanoi fand sie verlockender, als noch einen Tag mit uns durch den Nationalpark zu wandern. Normi, Haule und ich versuchten herauszubekommen, ob der Nationalpark nun wirklich so schwierig zu erwandern ist, wie uns unser Hotel-Tour-Verkaeufer, die Reisefuehrer und auch sonst jeder glaubhaft machen wollten. Eine sichere Erkenntnis bekamen wir an diesem Abend nicht mehr. Dennoch entschieden wir uns, den Park ohne gebuchte Tour und ohne Guide in Angriff zu nehmen. Gestern Morgen dann charterten wir mal wieder zwei Hondas und knatterten in Richtung Nationalpark. Dort angekommen, liessen wir die Hondas am Wanderwegstart stehen, in der Hoffnung sie am Nachmittag dort immernoch zu finden.

Norman und Hauke wandern im Nationalpark

Norman und Hauke wandern im Nationalpark

Der Weg erwies sich als sehr leicht auffindbar und strafte alle unsere Reisefuehrer (Reise KnowHow, Lonely Planet und Stefan Loose) sowie unseren HotelTourVerkaeufer Luegen. Wir mussten schlicht und ergreifend feststellen, dass ein Guide fuerd diesen Weg mit seiner relativ klaren Ausschilderung OHNE WEITERES ohne Guide zu gehen war. Die angebotenen Touren von Cat Ba dienten also vor allem der Geldbeutel der Agenturbesitzer. Zum Mittag errreichten wir nah 3 Stunden leichter Kletterei und viel hoch und runter wandern Viet Hai, einen kleinen Ort, in dem wir uns dann auch eine Nudelsuppe koecheln liessen. Auch der  Rueckweg gestaltete sich einfach und besonders schoen war, dass wir die offenbar einzigen waren, die an jenem Tag den Weg gingen – keine Menschenseele, bis auf einen Ranger und seine zwei Grossmaeuligen Hunde mitten im Wald, die sich uns in den Weg stellten, aber dann doch nicht den Mumm hatten, die Stellung zu halten und sich lieber bellend ins Seitengestruepp zurueckzogen (Also die Hunde, nicht der Ranger).

Am Abend kamen wir dann wieder am Hotel an, und auf die Frage unseres HotelTourVerkaeufer&Maerchenonkel, ob wir es bis in Dorf (Viet Hai) gefunden haetten, gaben wir zurueck, dass dies kein Problem gewesen sei. Ein kurzes Staunen leuchtete in seinen Augen auf und wir sind uns nun nicht ganz sicher, ob er selbst entweder noch nie im Nationalpark gewesen ist, oder ob er einfahc nur mit uns Geld verdienen wollte. Auf jeden Fall ersparte er sich jede weitere Nachfrage. Am selben Abend buchten wir uebrigen Drei, als Hauke, Normi und ich unser Ticket nach Hanoi und heute morgen gings dann mit dem Bus in Richtung letztes Etappenziel. Um 9 wurden wir von einem Bus im Hotel eingesammelt, der bracxhte uns zum Tragflaechenboot, das brachte uns aufs Festland, dort stand wiederrum ein Bus, der uns nach Hai Phong brachte und dort wartete dann der finale Bus, der uns nach Hanoi brachte. Beste Organisation fuer hiesige Verhaeltnisse – so toll und gut, dass man das hier auch einfach mal positiv erwaehnen muss. Der Transfer nach Hanoi war wirklich beeindruckend gut organisiert. Am Mittag haben wir dann in Hanois Altstadt im Hotel eingecheckt, in dem bereits Tinka die letzte Nacht verbracht hat. Den Nachmittag haben wir heute hauptsaechlich mit Windowshopping und reellem Shopping verbracht. Hanoi ist wirklich schoen und hat sehr alte koloniale Haeuser. Die Viertel haben immer  ganz bestimmte Geschaefte – so gibt es in einem Teil ein Schuhgeschaeft am Anderen, im naechsten Viertel werden sakrale Sachen, wie der Altar fuers Wohnzimmer oder Raeucherstaebchen verkauft, und wieder anderswo werden frisches Gemuese und frisches Fleisch vom Haehnchen, Schwein oder Rind feil geboten. Morgen schauen wir uns dann Onkel Hos Leiche im hiesigen Mausoleum an und damit neigt sich dann „Von New York nach Hanoi“ auch dem Ende zu. Aber bis dahin ist auch noch ein bissl Zeit. Insofern werd ich jetzt meine Zeit nicht laenger im Internet vergeuden, sondern weiter Hanoi am Abend erkunden. Gruesse nach Deutschland,

Jakob!