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Unterwegs im Mekong-Delta

16. März 2006

Nach einem kompletten Tag Saigon hatten wir vom dichten Moped-Verkehr schon fast die Nase voll und haben daraufhin eine 2-taegige Tour ins Mekong-Delta gemacht, von der wir heute Abend zurueckgekommen sind. Vorweg: Vorher haben wir uebrigens doch noch die Spuren des Sozialismus gefunden:

Eingang zum Ernst-Thaelmann-College in Tan Pho Ho Chi Minh (Saigon)

Eingang zum Ernst-Thaelmann-College in Tan Pho Ho Chi Minh (Saigon)

Aber zurueck zur Tour. Am Mittwoch ging es mal wieder frueh raus und zunaechst wurden wir mit einem grossen und gluecklicherweise klimatisirten Bus 4 Stunden nach My Tho an den Mekong gekarrt. Wirklich weit ist  die Strecke nicht, die Strassenverhaeltnisse lassen aber teilweise keine hohen Geschwindigkeiten zu. In My Tho gings dann raus aus dem Bus und wir bestiegen ein Boot.

Blick auf die Uferbebauung in My Tho

Blick auf die Uferbebauung in My Tho

Das wurde dann so richtig Tourimaessig und ich glaube, dass man in 5 Jahren so etwas ueberhaupt nicht mehr per organisierter Tour wagen sollte – dann spaetestens wird es eindeutig zu kommerziell sein. Die Dschunke fuhr uns dann zunaechst in einen Seitenarm des Mekongs und wir besuchten den Gemuese und Fischmarkt von My Tho.

Markttreiben in My Tho.

Markttreiben in My Tho.

Nach unserem kurzen Landausflug schipperten wir weiter quer ueber einen der insgesamt 9 Hauptarme, die das Mekongdelta durchziehen und legten auf einer der kleinen Inseln an, um bereits unser Mittagessen zu bekommen. Unsere Gruppe war relativ bunt gemischt. Insgesamt waren wir vielleicht 25 Leute mit einem relativ hohen Anteil an Deutschen (8). Der Rest setzte sich aus Chinesen, Amerikanern und Englaendern zusammen. Zum Mittag gabs dann die ueblichen fried noodles with pork oder wahlweise mit Tofu und danach sprangen wir in kleinere Boote, um auf mini kleinen Kanaelen weiterzuschippern.

Kanaelchen am Mekong - sie sind die Hauptverkehrswege im Delta.

Kanaelchen am Mekong - sie sind die Hauptverkehrswege im Delta.

Dort gings dann durch lehmiges Wasser und palmengesaeumte Wasserwege zu einer kleinen Kokos-Karamel-Fabrik, wo uns der Guide stolz erzaehlte, wie sie hier die Suessigkeiten herstellen. Den Schoko-Anteil lassen sie allerdings aus Belgien importieren – gute Schokri gibts hier halt nicht.

Spaeter schipperten wir wieder auf den kleinen Booten weiter, wurden an einem relativ touristisch ausgebauten Palmencafe zum Kaffee-Trinken abgesetzt und bekamen dazu einheimische Folklore geboten – interessant, aber nicht wirklich lauschig fuer europaeische Ohren. Am fruehen Abend setzten wir uns dannin My Tho zurueck wieder in den Bus. Naechstes Ziel sollte nach rund weiteren 2 Stunden Fahrt dann Can Tho sein, die groesste und modernste Stadt im Mekongdelta – selbst Pizza Hut hat es bereits bis dorthin geschafft. Um dorthin zu gelangen mussten wir gluecklicherweise nur einmal die Faehre benutzen – angeblich wohl kein Vergleich zu frueheren Zeiten, als es im gesamten Mekong-Delta noch keine einzige Bruecke gab. Das war wohl teils bis zum Ende der 90er so und seit ein paar Jahren laeuft in ganz Vietnam ein Mega-Bruecken-Bau-Programm, dass nach Aussage unseres Fuehers die Leute gaaanz gluecklich macht, dank der tollen und grossartigen Regierung.

Beflaggung der Faehre bei Can Tho.

Beflaggung der Faehre bei Can Tho.

Gut, es macht vor allem den Verkehr im Delta schneller. Am Abend trudelten wir dann in Can Tho ein, bezogen ein schlichtes Hotel und gingen noch mit Hauke und Tinka, zwei Stundenten aus Berlin, vietnamesisch (liegt nahe, oder?) Essen. Zur guten Nacht goennten wir uns noch an der Uferprommenade zwei Bierchen. Die Einheimischen fanden das teils wohl ganz lustig, vier Langnasen teils auf dem Fussboden in ihrem Park hocken und Bier trinken zu sehen…..

Heute gings dann erneut seeeehr frueh raus – schliesslich wollten wir das Treiben der schwimmenden Maerkte auf dem Mekong beobachten. Und dort ist nun mal am meisten zwischen 7 und 8 Uhr los (sag mal wieder einer, Urlaub sei nur ausschlafen). Frueh stiegen wir also wieder etwas ausserhalb von Can Tho in die Boote und schipperten auf den Kanaelen auf und ab, um das Markttreiben anzuschauen.

Schwimmender Markt bei Can Tho.

Schwimmender Markt bei Can Tho.

Schwimmender Gemuesehaendler....

Schwimmender Gemuesehaendler....

Sofort hatten schwimmende Cafes unser Touristenboot entdeckt und sich an uns dran gehangen, um Cola, Kaffee oder Wasser anzubieten – ich glaub, sie waren um die Zeit aber nicht sonderlich erfolgreich. Ein paar Stunden gondelten wir durch das bunte Treiben, bis wir noch an einer Reispapierfabrik halt machten. Das war ganz interessant und das Papier wird dort wohl noch wie eh und je von Hand hergestellt. Zunaechst wir ein dicker Reisbrei gebraut und der wir dann in Eimer geschoepft. Der Eimer haengt wieder neben einem Typen, der an einem Ofen steht, der einem Ofen zum Crepes backen aehnelt. Dort wird die milchig weisse Masse aufgetragen, keine Minute lang unter einem Deckel erhitzt und dann mit einer Bastkeule heruntergenommen. Spaeter wird es auf Schlifmatten zum Trocknen in die Sonne gehangen.

Crepes backen - aehm, Reisbrei zu Papier backen.

Crepes backen - aehm, Reisbrei zu Papier backen.

Der hauchduenne Reifladen wird mit der Bastkeule vom Ofen genommen....

Der hauchduenne Reifladen wird mit der Bastkeule vom Ofen genommen....

.... und zum Trocknen in die Sonne gehangen - fertig!

.... und zum Trocknen in die Sonne gehangen - fertig!

Nach dieser kleinen Lehrreise gings eigentlich auch schon wieder zurueck. Durch die sengende Sonne schipperten wir wieder zum Ausgangsort und von dort gings dann zum Mittag zurueck nach Can Tho. Der Rueckweg nahm dann fast den ganzen Nachmittag in Anspruch und am fruehen Abend sind wir wieder in Saigon eingeritten. Hier haben wir vorhin unsere Bustickets an die Kueste gekauft und der Fuehrer verspricht bisher auch nur Gutes: „Rote Sandsteinfelsen, schneeweisse Straende, tuerkisblaues Wasser und wunderschoene Sandduenen……“ oder so aehnlich heisst es unter dem Ort, den wir uns fuer unseren kleinen Urlaub im Urlaub ausgeguggt haben – Mui Ne. Wenn ihr also in den naechsten Tage nichts hier hoert, braeune ich mir gerade auch noch meinen noch schneeweissen Oberkoerper (Arme, Gesicht und Nacken sind schon unverschaemt braun) und versuche Schweissbnaesse gegen Suedchinesisches Meer einzutauschen – ein guter Tausch, wie ich finde…. Liebe Gruesse aus der Sonne!

PS: Gib mal bitte einer ganz kurz Laut, ob man in good old germany die Bilder im Blog sehen kann – kann auch an der Internetzensur in Vietnam liegen, dass die Seite hier nie vollstaendig angezeigt wird, aber ich seh die Bilder hier naemlich nicht. Danke!