Archive for the ‘Kambodscha’ Category

Kleine Verkaeufer

10. März 2006

Heute sind wir wieder durch wieder neue Tempelanlagen geklettert und es wird uns nicht langweilig. Auf dem Weg in die Tempelanlagen stellte ich allerdings erstmal auf halber Strecke fest, dass ich mein Eintrittsticket im Hotel liegen lassen hatte. Also machte ich mit Normi einen Treffpunkt aus und radelte zurueck ins Hotel.

Kleines Mädchen in Angkor

Nachdem ich mir mein Ticket geholt hatte, strampelte ich, Lance Armstrong gleich, die Strecke zurueck und ueberholte die halbe kambodschanische Radrenn-Nationalmannschaft, falls es heir so etwas gibt. Dann passierte jedoch, was kommen musste. Ich hatte meinen Abstand auf Normi wahrcheinlich bereits halbiert, da ueberfuhr ich einen bloeden Stein auf der Strasse und es machte ziiisch……! Super, mein Reifen fuhr noch 10 Meter, dann gings auf der Felge weiter. Aber es ging natuerlich nicht weiter!

Lächeln...

Was machen?! Ich fragte ein paar Strassenhaendler, wer mir mit meinem Reifen helfen koennte. Sie verstanden zwar kein Englisch, als ich aber auf meinem Platten zeigte und help meinte, schiene sie durchaus zu verstehen, was ich wollte. Sie schickten mich 70 Meter die Strase runter zu einer kleinen Blechhuette, wo mir ein junger Khmer helfen wollte. Sein Bruder schwang sich aufs Moto  und fuhr einen neuen Schlauch besorgen, er schraubte in der Zeit mein Vorderrad raus. Nach 20 Minuten war der Bruder wieder da und der neue Schlauch bereits eingezogen und ich konnte weiterradeln. 2 Dollar – fuer einen schnellen Boxenstopp schon okay.

Neben der Arbeit auch ein bißchen Spaß

Spaeter traf ich dann Normi vorm Koenigspalast und er hatte auch nicht sehr lang warten muessen, da er viele Photostopps eingelegt hatte.

Schwestern

Den ganzen Tag sind wir dann wieder durch grandiose Tempelanlagen gestapft und haben wieder gestaunt  gestaunt und gestaunt. Der letzte Tempel, den wir uns anschauten, war wieder einer der malerischsten. Hier hatten die Entdecker entschieden, eine Anlage so zu lassen, wie sie sie vorgefunden hatten. Riesige Baeume mit beeindruckend maechtigen Wurzeln hatten sich ueber die Mauern geschlungen und das von Menschen gebaute nach und nach wieder in die Natur zurueckgeholt. Das war so genial urig und unbeschreiblich schoen – genial. Da ich Euch aber nicht mir Tempelruinen weiter auf die Nerven gehen will, hab ich heute eine kleine Auswahl von Kindergesichtern zusammengestellt – gucken und „suuuuuueeesssss“ sagen…. .

Soll ich...?

Die Kinder hier sind echt zum knuddeln, aber auch verdammt arm dran. Kaum sind sie 4 Jahre alt, lernen sie die wichtigsten Saetze auf Englisch (Want a cold drink, sir? Only one dollar!) und muessen dann fuer das Familieneinkommen mitsorgen. Schule oder aehnliches sehen sie nicht – eigentlich traurig und eigentlich moechte man schon aus Mitleid jedem dieser Kinder irgendwas abkaufen – aber so richtig helfen tut man ihnen damit auch nicht, das ist schon ein bissl bedrueckend. Das muss man sich mal vorstellen, all diese kleinen Kids auf den Fotos sind Verkauefer….

Angkor – gucken, staunen, schwitzen!

9. März 2006

Gestern Morgen mussten wir ziemlich frueh raus. Fuer 0630 war ein Pick-Up-Service bestellt, der uns vom Hostel in den Hafen bringen sollte. Um 7 Uhr war bereits dei Abfahrt fuer unser Expressboot nach Siem Reap geplant. Siem Reap liegt circa 300 Kilometer noerdlich von Phnom Penh und wir hatten uns fuer diese Richtung fuer den Wasserweg entschieden, rund 6 Stunden den Tonle Sap hinauf. Die Fahrt verlief auch weitgehend ruhig, ausser dass sich einmal ein Tau in unserer Schraube verhackt hatte und wir deshalb mitten auf dem Tonle See einen 10minuetigen Stopp einlegen mussten. Einer der Bootsjungen sprang dann in das lehmig-gelbe Wasser und tauchte zur Schraube, um diese dann vom Tau zu befreien. Auf dem Weg flussaufwaerts gings relativ flott vorwaerts, vorbei an fischenden Khmer, die meist mit der gesamten Familie auf alten Holzkaehnen bei der Arbeit waren, vorbei an schwimmenden und plantschenden Kindern und an vielen Siedlungen, die teils auf dem Wasser schwammen oder teils bis ans Wasser auf Pfaehlen standen. Am fruehen Nachmittag trafen wir im Hafen von Siem Reap ein. Also besser gesagt stoppten wir auf dem See. Zur Zeit ist der Wasserstand hier so niedrig, dass wir auch auf der Fahrt ab und zu aufsetzten, das machte dem Boot offenbar wenig, aber fuer den Hafen von Siem Reap hatten wir wohl dann doch definitiv zu viel Tiefgang. Also holten zwei ueberdachte Holzbarken die Passagiere auf dem See ab und brachten uns dann an Land.

Schwimmende Haeuser im Hafen von Siem Reap.

Schwimmende Haeuser im Hafen von Siem Reap.

Kaum an Land gegangen erwehrten wir uns erfolgreich dem oertlichen Nepp. Unser Hostelbesitzer in Phnom Penh hatte unserem Hafen-Shuttle-Fahrer unsere Namen gegeben. Dieser hatte sie wohl samt Beschreibung nach Siem Reap durchgeschickt und so stand auch schon ein Hostelbesitzer da mit einem Schild, auf dem „Welcome JAKOB MNELLER“ stand. Jepp, mit N und nicht mit U. Aber uns war das verschachere zwischen den Hotels ein wenig zuiel, so dass ich mich das erste mal in meinem Leben dazu verleiten liess, mich selbst auf Nachfrage zu verleugnen. Wir schnappten uns einen Tuk Tuk-Fahrer, der hoch und heilig versprach, uns auch garantiert in ein Hotel UNSERER WAHL zu bringen.

Ab hier wirds staubig - mit dem Tuk Tuk gehts noch 12 Kilometer vom Hafen in den Ort.

Ab hier wirds staubig - mit dem Tuk Tuk gehts noch 12 Kilometer vom Hafen in den Ort.

Natuerlich hatte er einige Angebote in Petto oder kannte, nachdem das erste Hostel, welches wir auf unseren Wunsch hin ansteuerten, voll war. Wir entschieden uns dann auch fuer sein Angebot und er wollte eigentlich fuer den Transfer nichts haben. Natuerlich in der Hoffnung, in den naechsten Tagen unser Fahrer vor Ort sein zu duerfen. Da wir uns aber Fahrraeder leihen wollten, kaufte ich unser Gewissen mit ein paar Riel frei.

Nachdem wir den Zimmerpreis ein wenig gedrueckt hatten, stand eine kuehle Dusche und spaeter ein Mittagssnack an. Auf dem Boot, die Fahrt hatten wir auf dem Oberdeck verbracht, hatten wir uns ein wenig verbrannt. Heute ist allerdings ein wenig Braeune daraus geworden 😉

Am Nachmittag entschieden wir uns noch dazu, mit dem Fahrrad zu Angkor Wat zu fahren, dass ungefaehr 5 Kilometer vor dem Ort liegt. Kaum hatten wir unsere 3-Tages-Paesse fuer 40 Dollar erstanden, standen wir auch schon wenige Kilometer weiter vor der beendruckenden Kulisse Angkor Wats – herrlich.

Das Innere Angkor Wats in der Abendstimmung

Das Innere Angkor Wats in der Abendstimmung

Es war bereits Abendstimmung und zu einem groesseren Rundgang hatten wir keine Zeit mehr. Aber was wir beim ersten Schnuppern sahen, faszinierte uns. Angkor Wat – wir hatten uns nicht zu viel vorgestellt, der Fuehrer hat nicht gelogen – was man dort vor Augen hat ist schlicht und ergreifend genial. Oder anders ausgedrueckt: Geil! Das groesste sakrale Bauwerk der Welt, wenn man davor steht, kann man die Groesse kaum fassen. Wir goennten uns einen kleinen Rundgang, ueberquerten auf einem maechtigen Steindamm einen rund hundert Meter breiten Steindamm, um in die Stadt der Koenige zu gelangen. Angkor Wat ist so aufgebaut, wie in der hinduistischen Welt die Vorstellung der Wlet war. Die Wassergraeben stehen fuer das Urmeer. Dann durchschreitet man einen ersten Steinwall, der mehr ein Wandelgang ist und der in der Mythologie die Bergketten darstellen, die die Erde umgeben. Im Zentrum gelangt man dann, erneut ueber einen Steinweg gesaeumt von zwei Bibliotheken, zu dem Herzen des Tempelareals. Dort stehen die bekannten fuenf Tuerme (siehe Bild oben), die den Berg Meru (das Zentrum der Welt) verkoerpern, auf dem die Goetter wohnen. Diesen Bereich durften frueher nur die Koenige und die hohen Priester betreten.

Angkor Wat ist uebrigens nur ein kleiner Teil der Angkor-Region. In der gesamten Region stehen mehrere Tempelstaedte. Sie alle werden unter Angkor zusammengefasst. Angkor Wat war dei Stadt der Koenige. Hier lebten zu Bluetezeiten der Angkorkultur (12.Jh) lediglich der Koenig, die hohen Priester und rund 20.000 Beamte und Bedienstete. Die gesamte Anlage wurde zwischen den Jahrhunderten mal dem Dschungel ueberlassen, dann kurz nochmal von einem Koenig fuer ein paar Jahre genutzt und dann erneut dem Dschungel ueberlassen. Wiederentdeckt wurden die Ruinen der Tempelanlagen Mitte des 19. Jahrhunderts, erregten damals aber wohl nur wneig Aufsehen. Mit den ersten Fotos, die ein britishcer Forscher publizierte, erweckte das Interesse an diesen Bauwerken aber wieder rapide. Verstaendlich sagen wir, die wir gestern Abend zum ersten Mal davor, und heute den ganzen Tag im Innern umhergestiegen sind!

Ein Moench bestaunt andaechtig die Tempelanlage

Ein Moench bestaunt andaechtig die Tempelanlage

Staunen darf hier jeder - liegen nich ;-)

Staunen darf hier jeder - liegen nich 😉

Blick aus der Mitte Angkor Wats in Richtung Eingangsbereich

Blick aus der Mitte Angkor Wats in Richtung Eingangsbereich

Am Mittag hatten wir zudem heute das Glueck, gerade im Heiligtum sein zu duerfen, als eine buddhistische Kinderzeremonie in der Tempelanlage durhgefuehrt wurde. Die Kinder bekamen die Haare rasiert, bis auf einen kleinen Schopf in der ueber der Stirn. Dann wurden sie von betenden Moenchen gesegnet und mit einer Art Weihwasser bespritzt. Als sie diese Prozedur hinter sich gebracht hatten, wurde auch noch der letzte Schopf rasiert, die Haare in einem Bananenblatt (moeglicherweise als Opfergabe – ich weiss es nicht genau) aufbewahrt und zum Abschluss ergoss ein Moench noch einmal mehrere Schalen Wasser ueber die kleinen nackten Glatzkoepfe.

Kleine Kurzhaar-Zwerge bei der Zeremonie

Kleine Kurzhaar-Zwerge bei der Zeremonie

Rund um das Heiligtum befinden sich zwei steinerne Mauern, die man sich wie ein Krauzgang in einem Kloster vostellen kann, nur eben viel groesser. Die Waende sind mit einer Vielzahl von Falchreliefen ueberzogen. Ich muss sagen, dass man sich kaum vorstellen kann, wie lang diese Arbeit gedauert haben muss.

Nur ein wintziger Ausschnitt aus den reichverzierten Waenden in A.W.

Nur ein wintziger Ausschnitt aus den reichverzierten Waenden in A.W.

Nachdem wir uns weitesgehend sattgestaunt hatten an Angkor Wat, schwangen wir uns wieder auf unsere lustigen chinesischen Frauenfahrraeder und fuhren weiter Richtung Angkor Thom – die groesste Tempelstadt der Region.

Eingang nach Wat Thom - die groesster der Tempelstaedte.

Eingang nach Wat Thom - die groesster der Tempelstaedte.

Zunaechst ueberquert man wieder einen weiten Wassergraben und faehrt durch eines der Stadttore und dann gelangt man in den „Stadt“-Bereich. Im Herzen Angkor Thoms befindet sich der Tempel Bayon. Er ist bereits staerker verfallen, als Angkor Wat, dafuer aber bedeutend verwinkelter. Wir waren uns auch nicht ganz sicher, ob es am sanften und warmen Abendicht lag, dass  uns der Tempel Bayon fast noch ein wenig mehr begeisterte, als Angkor Wat. Wobei ich natuerlich sagen muss, dass das Gesamtbild Angkor Wats wohl kaum zu toppen ist.

Der Tempel Bayon - haette wohl auch bald eine Restaurierung noetig.

Der Tempel Bayon - haette wohl auch bald eine Restaurierung noetig.

Wir kletterten auch hier reichlich durch den Tempel, bestaunten fein gearbeitete Reliefs, die haeufig Schlachtszenen oder Geschichten aus der hinduistischen Mythologie darstellen und verschnauften immer wieder kurz. 35 Grad im Schatten sind eben auch bei solchen Touren keine allzuangenehme Begleiterscheinung – eigentlich moechte man sich den ganzen Tag im Meer wissen, ist das T-Shirt doch bereits nach einer halben Stunde immer durchgeschwitzt, aber was will man machen. Zum Abschluss unsere Kulturprogramms radelten wir noch fuer den Sonnenuntergang zum Koenigspalast Phimeanakas (heisst himmlischer Palast).

Am ehemaligen Exerzierfeld stehen kleine Tempel - die Bedeutung ist nicht 100 % geklaert

Am ehemaligen Exerzierfeld stehen kleine Tempel - die Bedeutung ist nicht 100 % geklaert

Blick ueber den Eingangssteg zum Koenigspalast

Blick ueber den Eingangssteg zum Koenigspalast

Nachdem sich die Sonne zur Ruhe setzte, drehten auch wir mit unseren Fahrraedern um und radelten wieder nach Siem Reap. Morgen gehts weiter mit Tempelentdeckungen – es ist der Wahnsinn, was hier in der Gegend rumsteht. Manchmal wuerden wir es hier auch gern den Kindern gleich tun und uns in den Basins vor den Tempeln abkuehlen. Aber abgesehen davon, dass das Wasser nicht sehr appetitlich aussieht, wuerde es wohl auch ein bloedes Bild abgeben, wenn man als Touri vor den Heiligtuemern plantschen geht.

Neeeeiiiiiid!

Neeeeiiiiiid!

Also muesser wir wohl noch bis zum Meer unterhalb von Saigon warten…. und weiterschwitzen….

Ein Tag Phnom Penh – in 7 Bildern

7. März 2006

Hallo hallo, hier spricht Phnom Penh!

6. März 2006

Normi hatte die Massage uebrigens ueberaus genossen. Zehenspitzen, Beine, Po, Ruecken und das Gesicht – alles wurde seinem Bericht zu Folge zum knacken gebracht und das soll, seinem Bericht zu Folge, tooootal entspannend gewesen sein. Aber gut. Nach einem Abschlussbierchen hatten wir uns dann im Hostel unsere Rucksaecke gekrallt und (Normi schaut mir grad ueber die Schulter und fuegt noch hinzu, dass seine Arme ebenso goettlich bearbeitet wurden) uns wieder mit dem kleinen Bus auf zum Flughafen in BKK gemacht. Nach Check-In, Grenzkontrolle und dem Ausreisestempel wurden wir wieder mit einem Bus zu unserem Flieger nach Phnom Penh gebracht. 50 Minuten Flugzeit und das volle Service-Programm, so was erlebt man auf innereuropaeischen Fluegen npur noch selten. Kaum abgehoben wurdeein warmes Abendessen serviert, spaeter kamen die Stewarts mit einem Glas Saft durch, dann mit Wein und zum Abschluss mit Kaffee. Das ganze nahm so viel Zeit in Anspruch, dass sie es kaum schafften, bis zum Landeanflug die Tabletts wieder sicher verstaut zu haben – aber Thai gibt beim Service eben alles. Mit einer kleinen Verspaetung sind wir gegen hlb acht im dunklen Phnom Penh gelandet und direkt durch die Migartions gelaufen. Auf das, in Berlin beantragte, Visum gab es einen „USED“-Stempel und kaum durch die letzte Tuer ins freie gelaufen, boten uns auch schon einige Taxifahrer eine Fahrt in die Innenstadt an. Wir lehnten zunaechst ab und gingen mit zwei Moto-Fahrern mit, die unsere grossen Trekkingrucksaecke vor sich auf den Tank stellten und uns, selbstverstaendlich ohne Helm, hintenauf setzten.

Normis Fahrer hatte seinen Helm abgetreten, weil er ihn selbst nicht tragen konnte, weil ihm der Rucksack unter dem Kinn klemmte.

Normis Fahrer hatte seinen Helm abgetreten, weil er ihn selbst nicht tragen konnte, weil ihm der Rucksack unter dem Kinn klemmte.

Fuer zwei Dollar gings dann auf dem Moped vom Flughafen ueber den Zubringer in die Innenstadt, vorbei an bluehenden und duftenden Baeumen, Motos, die mit mindestens 5 Personen besetzt waren und so weiter. Ein einziges mal wurde mir ein wenig anders, als ich an meinem Ellenbogen auf einmal die Schnauze eines Nissan Patro Jeeps spuerte und mein Motofahrer erst nach kraeftigem Hupen bemerkte, dass wir doch ein wenig naaah dran waren….
In Phnom Penh angekommen erwehrten wir uns der Versuche der Motofahrer, in eines ihrer empfohlenen Hotels zu gehen und trafen, noch an der Kreuzung im Reisefuehrer blaetternd, eine Amerikanerin und einen Franzosen. Die beiden reisen 8 Monate durch asien und empfohlen uns gleich mehrere Hotels. Wir checkten im Super Star Hotel ein fuer 12,50 $ die Nacht im Doppel. Echt sauber, mit Klima und Dusche und WC – keine Beschwerden! Nach einer Dusche, die Koerper klebten bei 30 Grad und kaum einem Lueftchen, natuerlich schon wieder, machten wir uns noch auf zu einem kleinem Spaziergang durchs naechtliche Phnom Penh an den Mekong. Fuer die letzten Dollar, die wir dabei hatten, goennten wir uns noch zwei Bierchen am Strassenrand und machten uns spaeter wieder auf den Rueckweg ins Hotel. Heute war dann erstmal Ausschlafen angesagt. Erster Besichtigungspunkt nach dem Fruehstrueck war dann das Wat Phnom.

Wat Phnom - umgeben von einer wunderbar schattigen Parkanlage, die die Franzosen hier im 19.Jh gestaltet haben.

Wat Phnom - umgeben von einer wunderbar schattigen Parkanlage, die die Franzosen hier im 19.Jh gestaltet haben.

Dieses Wat gibt der Stadt ihren Namen. Daun Penh, eine wohlhabende Witwe hatte 1372 der Legende nach in einem Fluss einen treibenden Baumstamm entdeckt. In diesem Baumstamm befanden sich fuenf Buddha-Statuen – vier aus Bronze und eine aus Stein. Aus tiefer Ehrerbietung heraus errichtet sie fuer die Statuen in der Naehe ihres Hauses auf einem Huegel ein Heiligtum fuer die Statuen. Dieser Huegel (woertlich heisst Phnom Penh „Huegel der Penh“) ist der Namensgeber der Hauptstadt Kambodschas.

Dem Kleinen war es wohl trotz Schatten zu heiss, so dass er den Wassereimer des Parkarbeiters total faszinierend fand....

Dem Kleinen war es wohl trotz Schatten zu heiss, so dass er den Wassereimer des Parkarbeiters total faszinierend fand....

Nach diesem Besuch liessen wir uns nach Tuol Sleng fahren – auch S-21 genannt. Tuol Sleng ist ein Museum ueber den Genozid in Kambodscha unter der Herrschaft der Roten Khmer. Ich halte es fuer durchaus angebracht, diesem Museum und seiner Geschichte einen eigenen Abschnitt zu widmen.

Tuol Sleng – S-21
Tuol Sleng ist bis heute der Inbegriff fuer den Genozid in Kambodscha unter den Roten Khmer. Den zweiten Namen, S-21, hat das Gefaengnis der eigentlichen Bezeichung unter den Roten Khmer zu verdanken: Security Office 21. Vor der Herrschaft der Roten Khmer beherbergte das Gebaeude eine Highschool. Die Roten Khmer funktionierten den Gebaeudekomplex um in ein Straflager fuer Aerzte, Lehrer, Intellektuelle, Militaerpersonal, Verwaltungsangestellte und andere Verdaechtige, die angeblich gegen die Revolution waren. Unter der Schreckensherrschaft hatte bereits das Tragen einer Brille als ein Zeichen fuer uebermaessige Intelligenz gestanden und wart unter Strafe gestellt – unter Todesstrafe. Mehr als 13.000 Menschen sind in S-21 zwischen 1975 und 1979 ums Leben gekommen. Haeufig wurden die Gefangenen bestialisch gefoltert. Sie wurden unter anderem in Wasserbecken getaucht, bekamen Saeure ins Gesicht geschuettet, wurden stundenlang geschlagen oder bekamen die Fingernaegel rausgezogen. All das mit dem Ziel, Gestaendnisse zu erpressen, die die Folterknechte hoeren wollten. Ganz haeufig hatten die Roten Khmer sogar ihre eigenen Leute inhaftiert, weil sie ihnen vorwarfen, nicht mehr treu zu sein, oder sich gegen die Fuehrer, also Pol Pot, oder ihre Ideologien gewendet zu haben. Das Museum ist, seit dem das Gefaengnis im Jahr 1979 von den Vietnamesen entdeckt wurde, kaum veraendert. Es gibt nach wie vor vier 3-stoeckige-Flachbauten, in denen Einzel- und Massenzellen untergebracht waren. Einige Gebaeude sind bis heute von oben bis unten in Stacheldraht eingewickelt. De…. (nicht aufhalten lassen und den Einschub erst spaeter lesen!)

(wir hatten soeben eine stunde stromausfall, also konnte ich nicht weiterschreiben. wir mussten die zeit damit verbringen, noch zwei angkor-beer zu trinken, uns von einem besoffenem briten zulabern lassen, der hier seinen lebensabend verbringt und auf die frage, was er hier mache, nur antwortet: just drinkin’!. aber jetzt sind das internet und der strom wieder da, und ich kann weiterschreiben! hab uebrigens hier mit diesem computer im pub auch die allmacht ueber die musik. hab ueberraschenderweise die bacilos aus suedamerika gefunden und die spielen jetzt im hintergrund, solang ich schreib 😉 )

…er  – Also der Zweck des Stacheldrahts war jener, dass man die Haeftlinge daran hindern wollte, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Lieber wollte man sie selbst zu Tode foltern. In den Gebaeuden kann man heute die einzelnen Zellen besichtigen, die Folterinstrumente und jede Menge Fotos, die von den Haeftlingen gemacht wurden. Die Blicke sind meist leer oder zornig. Manchmal entdeckt man aber auch ein laechelndes Haetlingsfoto, und man fragt sich, woher diese Menschen diesen Lebensmut genommen haben, angesichts der Umstaende in diesem Foltergefaengnis. Die Roten Khmer hatten uebrigens nicht nur Intellektuelle inhaftiert. Unter ihnen wurden auch kleinen Kinder, ja sogar Babys, Frauen und Maedchen inhaftiert, gefoltert, vernommen und getoetet. Alles in allem ist der Besuch in S-21 sehr bedrueckend und man fragt sich mal wieder, wie Menschen zu solchen Grausamkeiten faehig sind. Im folgenden gibts ein paar Bilder aus Toul Sleng – ich denke, sie sprechen fuer sich!

Folterzelle in Tuol Sleng - auf diesen Pritschen wurden die Gefangenen festgekettet und gefoltert

Folterzelle in Tuol Sleng - auf diesen Pritschen wurden die Gefangenen festgekettet und gefoltert

Die Opfer in S 21 - die Vietnamesen fanden bei der Befreiung 7 Ueberlebende

Die Opfer in S 21 - die Vietnamesen fanden bei der Befreiung 7 Ueberlebende

Frauen und Babys verhaftet - jepp, nicht falsch gelesen, die Babys wurden ebenso vehaftet...

Frauen und Babys verhaftet - jepp, nicht falsch gelesen, die Babys wurden ebenso vehaftet...

Truegerische Idylle - vor 1975 Kindergeschrei, danach 4 Jahre Folter und Verzweiflungsschreie.

Truegerische Idylle - vor 1975 Kindergeschrei, danach 4 Jahre Folter und Verzweiflungsschreie.

Auch ein Bild Pol Pots haengt in der Ausstellung - Besucher haben ihm die Augen ausgekratzt und Beschimpfungen auf Bild geritzt - verstaendliche Wut.

Auch ein Bild Pol Pots haengt in der Ausstellung - Besucher haben ihm die Augen ausgekratzt und Beschimpfungen auf Bild geritzt - verstaendliche Wut.

Mehr Infos zu Tuol Sleng, der Schreckensherrschaft der Khmer Rouge, ueber die Taeter und wie sie mit der Vergangenheit umgehen gibts in einem Artikel der ZEIT: Lesen? Klicken!

Nach unserem Toul Sleng-Besuch sind wir ein wenig durchs franzoesische Viertel spaziert. Unter anderem steht noch die alte Bibliotheque und das Hauptpostamt im koloinialen Stil. Als uns dann die Fuesse fast komplett einschliefen, haben wir uns wieder an die Mekong-Promenade begeben, um hier zu Abend zu essen.

Der Tonle Sap kurz bevor er mit dem Mekong zusammen fliesst.

Der Tonle Sap kurz bevor er mit dem Mekong zusammen fliesst.

Shell? Aral? BP? - Fast! Tankstelle in Phnom Penh.

Shell? Aral? BP? - Fast! Tankstelle in Phnom Penh.

Fuer Normi gabs eine Nudelsuppe mit Shrimps und ich hab mich in Khmer-Kueche probiert. Ich bestellte “Amok”. Klingt makaber, ist aber lecker. Es ist Fisch, in einem Bananen-Blatt, garniert mit einer Sauce aus Lemon-Grass und Chilli. Dazu gabs Basmati-Reis, alles in allem so lecker, dass ich mich zu der Aussage hinreissen liess: “Ich mag Amok!”. Bueno, und weil wir in diesem Pub hier ueber 4 Dollar Verzehr hatten, gabs kostenloses Internet dazu – und so sitz ich hier und schreibe – beziehungsweise schwitze mir die Seele aus dem Leib, waehrend ich auf Strom warte.

Okay, Freunde, sorry, das war heut lang, aber das Land hier ist einfach verdammt interessant und es gibt ne Menge Details zu erzaehlen. Aber es geht weiter…. Ciao aus dem voellig ueberhitzten Phnom Penh…..