Angkor – gucken, staunen, schwitzen!

Gestern Morgen mussten wir ziemlich frueh raus. Fuer 0630 war ein Pick-Up-Service bestellt, der uns vom Hostel in den Hafen bringen sollte. Um 7 Uhr war bereits dei Abfahrt fuer unser Expressboot nach Siem Reap geplant. Siem Reap liegt circa 300 Kilometer noerdlich von Phnom Penh und wir hatten uns fuer diese Richtung fuer den Wasserweg entschieden, rund 6 Stunden den Tonle Sap hinauf. Die Fahrt verlief auch weitgehend ruhig, ausser dass sich einmal ein Tau in unserer Schraube verhackt hatte und wir deshalb mitten auf dem Tonle See einen 10minuetigen Stopp einlegen mussten. Einer der Bootsjungen sprang dann in das lehmig-gelbe Wasser und tauchte zur Schraube, um diese dann vom Tau zu befreien. Auf dem Weg flussaufwaerts gings relativ flott vorwaerts, vorbei an fischenden Khmer, die meist mit der gesamten Familie auf alten Holzkaehnen bei der Arbeit waren, vorbei an schwimmenden und plantschenden Kindern und an vielen Siedlungen, die teils auf dem Wasser schwammen oder teils bis ans Wasser auf Pfaehlen standen. Am fruehen Nachmittag trafen wir im Hafen von Siem Reap ein. Also besser gesagt stoppten wir auf dem See. Zur Zeit ist der Wasserstand hier so niedrig, dass wir auch auf der Fahrt ab und zu aufsetzten, das machte dem Boot offenbar wenig, aber fuer den Hafen von Siem Reap hatten wir wohl dann doch definitiv zu viel Tiefgang. Also holten zwei ueberdachte Holzbarken die Passagiere auf dem See ab und brachten uns dann an Land.

Schwimmende Haeuser im Hafen von Siem Reap.

Schwimmende Haeuser im Hafen von Siem Reap.

Kaum an Land gegangen erwehrten wir uns erfolgreich dem oertlichen Nepp. Unser Hostelbesitzer in Phnom Penh hatte unserem Hafen-Shuttle-Fahrer unsere Namen gegeben. Dieser hatte sie wohl samt Beschreibung nach Siem Reap durchgeschickt und so stand auch schon ein Hostelbesitzer da mit einem Schild, auf dem „Welcome JAKOB MNELLER“ stand. Jepp, mit N und nicht mit U. Aber uns war das verschachere zwischen den Hotels ein wenig zuiel, so dass ich mich das erste mal in meinem Leben dazu verleiten liess, mich selbst auf Nachfrage zu verleugnen. Wir schnappten uns einen Tuk Tuk-Fahrer, der hoch und heilig versprach, uns auch garantiert in ein Hotel UNSERER WAHL zu bringen.

Ab hier wirds staubig - mit dem Tuk Tuk gehts noch 12 Kilometer vom Hafen in den Ort.

Ab hier wirds staubig - mit dem Tuk Tuk gehts noch 12 Kilometer vom Hafen in den Ort.

Natuerlich hatte er einige Angebote in Petto oder kannte, nachdem das erste Hostel, welches wir auf unseren Wunsch hin ansteuerten, voll war. Wir entschieden uns dann auch fuer sein Angebot und er wollte eigentlich fuer den Transfer nichts haben. Natuerlich in der Hoffnung, in den naechsten Tagen unser Fahrer vor Ort sein zu duerfen. Da wir uns aber Fahrraeder leihen wollten, kaufte ich unser Gewissen mit ein paar Riel frei.

Nachdem wir den Zimmerpreis ein wenig gedrueckt hatten, stand eine kuehle Dusche und spaeter ein Mittagssnack an. Auf dem Boot, die Fahrt hatten wir auf dem Oberdeck verbracht, hatten wir uns ein wenig verbrannt. Heute ist allerdings ein wenig Braeune daraus geworden 😉

Am Nachmittag entschieden wir uns noch dazu, mit dem Fahrrad zu Angkor Wat zu fahren, dass ungefaehr 5 Kilometer vor dem Ort liegt. Kaum hatten wir unsere 3-Tages-Paesse fuer 40 Dollar erstanden, standen wir auch schon wenige Kilometer weiter vor der beendruckenden Kulisse Angkor Wats – herrlich.

Das Innere Angkor Wats in der Abendstimmung

Das Innere Angkor Wats in der Abendstimmung

Es war bereits Abendstimmung und zu einem groesseren Rundgang hatten wir keine Zeit mehr. Aber was wir beim ersten Schnuppern sahen, faszinierte uns. Angkor Wat – wir hatten uns nicht zu viel vorgestellt, der Fuehrer hat nicht gelogen – was man dort vor Augen hat ist schlicht und ergreifend genial. Oder anders ausgedrueckt: Geil! Das groesste sakrale Bauwerk der Welt, wenn man davor steht, kann man die Groesse kaum fassen. Wir goennten uns einen kleinen Rundgang, ueberquerten auf einem maechtigen Steindamm einen rund hundert Meter breiten Steindamm, um in die Stadt der Koenige zu gelangen. Angkor Wat ist so aufgebaut, wie in der hinduistischen Welt die Vorstellung der Wlet war. Die Wassergraeben stehen fuer das Urmeer. Dann durchschreitet man einen ersten Steinwall, der mehr ein Wandelgang ist und der in der Mythologie die Bergketten darstellen, die die Erde umgeben. Im Zentrum gelangt man dann, erneut ueber einen Steinweg gesaeumt von zwei Bibliotheken, zu dem Herzen des Tempelareals. Dort stehen die bekannten fuenf Tuerme (siehe Bild oben), die den Berg Meru (das Zentrum der Welt) verkoerpern, auf dem die Goetter wohnen. Diesen Bereich durften frueher nur die Koenige und die hohen Priester betreten.

Angkor Wat ist uebrigens nur ein kleiner Teil der Angkor-Region. In der gesamten Region stehen mehrere Tempelstaedte. Sie alle werden unter Angkor zusammengefasst. Angkor Wat war dei Stadt der Koenige. Hier lebten zu Bluetezeiten der Angkorkultur (12.Jh) lediglich der Koenig, die hohen Priester und rund 20.000 Beamte und Bedienstete. Die gesamte Anlage wurde zwischen den Jahrhunderten mal dem Dschungel ueberlassen, dann kurz nochmal von einem Koenig fuer ein paar Jahre genutzt und dann erneut dem Dschungel ueberlassen. Wiederentdeckt wurden die Ruinen der Tempelanlagen Mitte des 19. Jahrhunderts, erregten damals aber wohl nur wneig Aufsehen. Mit den ersten Fotos, die ein britishcer Forscher publizierte, erweckte das Interesse an diesen Bauwerken aber wieder rapide. Verstaendlich sagen wir, die wir gestern Abend zum ersten Mal davor, und heute den ganzen Tag im Innern umhergestiegen sind!

Ein Moench bestaunt andaechtig die Tempelanlage

Ein Moench bestaunt andaechtig die Tempelanlage

Staunen darf hier jeder - liegen nich ;-)

Staunen darf hier jeder - liegen nich 😉

Blick aus der Mitte Angkor Wats in Richtung Eingangsbereich

Blick aus der Mitte Angkor Wats in Richtung Eingangsbereich

Am Mittag hatten wir zudem heute das Glueck, gerade im Heiligtum sein zu duerfen, als eine buddhistische Kinderzeremonie in der Tempelanlage durhgefuehrt wurde. Die Kinder bekamen die Haare rasiert, bis auf einen kleinen Schopf in der ueber der Stirn. Dann wurden sie von betenden Moenchen gesegnet und mit einer Art Weihwasser bespritzt. Als sie diese Prozedur hinter sich gebracht hatten, wurde auch noch der letzte Schopf rasiert, die Haare in einem Bananenblatt (moeglicherweise als Opfergabe – ich weiss es nicht genau) aufbewahrt und zum Abschluss ergoss ein Moench noch einmal mehrere Schalen Wasser ueber die kleinen nackten Glatzkoepfe.

Kleine Kurzhaar-Zwerge bei der Zeremonie

Kleine Kurzhaar-Zwerge bei der Zeremonie

Rund um das Heiligtum befinden sich zwei steinerne Mauern, die man sich wie ein Krauzgang in einem Kloster vostellen kann, nur eben viel groesser. Die Waende sind mit einer Vielzahl von Falchreliefen ueberzogen. Ich muss sagen, dass man sich kaum vorstellen kann, wie lang diese Arbeit gedauert haben muss.

Nur ein wintziger Ausschnitt aus den reichverzierten Waenden in A.W.

Nur ein wintziger Ausschnitt aus den reichverzierten Waenden in A.W.

Nachdem wir uns weitesgehend sattgestaunt hatten an Angkor Wat, schwangen wir uns wieder auf unsere lustigen chinesischen Frauenfahrraeder und fuhren weiter Richtung Angkor Thom – die groesste Tempelstadt der Region.

Eingang nach Wat Thom - die groesster der Tempelstaedte.

Eingang nach Wat Thom - die groesster der Tempelstaedte.

Zunaechst ueberquert man wieder einen weiten Wassergraben und faehrt durch eines der Stadttore und dann gelangt man in den „Stadt“-Bereich. Im Herzen Angkor Thoms befindet sich der Tempel Bayon. Er ist bereits staerker verfallen, als Angkor Wat, dafuer aber bedeutend verwinkelter. Wir waren uns auch nicht ganz sicher, ob es am sanften und warmen Abendicht lag, dass  uns der Tempel Bayon fast noch ein wenig mehr begeisterte, als Angkor Wat. Wobei ich natuerlich sagen muss, dass das Gesamtbild Angkor Wats wohl kaum zu toppen ist.

Der Tempel Bayon - haette wohl auch bald eine Restaurierung noetig.

Der Tempel Bayon - haette wohl auch bald eine Restaurierung noetig.

Wir kletterten auch hier reichlich durch den Tempel, bestaunten fein gearbeitete Reliefs, die haeufig Schlachtszenen oder Geschichten aus der hinduistischen Mythologie darstellen und verschnauften immer wieder kurz. 35 Grad im Schatten sind eben auch bei solchen Touren keine allzuangenehme Begleiterscheinung – eigentlich moechte man sich den ganzen Tag im Meer wissen, ist das T-Shirt doch bereits nach einer halben Stunde immer durchgeschwitzt, aber was will man machen. Zum Abschluss unsere Kulturprogramms radelten wir noch fuer den Sonnenuntergang zum Koenigspalast Phimeanakas (heisst himmlischer Palast).

Am ehemaligen Exerzierfeld stehen kleine Tempel - die Bedeutung ist nicht 100 % geklaert

Am ehemaligen Exerzierfeld stehen kleine Tempel - die Bedeutung ist nicht 100 % geklaert

Blick ueber den Eingangssteg zum Koenigspalast

Blick ueber den Eingangssteg zum Koenigspalast

Nachdem sich die Sonne zur Ruhe setzte, drehten auch wir mit unseren Fahrraedern um und radelten wieder nach Siem Reap. Morgen gehts weiter mit Tempelentdeckungen – es ist der Wahnsinn, was hier in der Gegend rumsteht. Manchmal wuerden wir es hier auch gern den Kindern gleich tun und uns in den Basins vor den Tempeln abkuehlen. Aber abgesehen davon, dass das Wasser nicht sehr appetitlich aussieht, wuerde es wohl auch ein bloedes Bild abgeben, wenn man als Touri vor den Heiligtuemern plantschen geht.

Neeeeiiiiiid!

Neeeeiiiiiid!

Also muesser wir wohl noch bis zum Meer unterhalb von Saigon warten…. und weiterschwitzen….

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