Hallo hallo, hier spricht Phnom Penh!

Normi hatte die Massage uebrigens ueberaus genossen. Zehenspitzen, Beine, Po, Ruecken und das Gesicht – alles wurde seinem Bericht zu Folge zum knacken gebracht und das soll, seinem Bericht zu Folge, tooootal entspannend gewesen sein. Aber gut. Nach einem Abschlussbierchen hatten wir uns dann im Hostel unsere Rucksaecke gekrallt und (Normi schaut mir grad ueber die Schulter und fuegt noch hinzu, dass seine Arme ebenso goettlich bearbeitet wurden) uns wieder mit dem kleinen Bus auf zum Flughafen in BKK gemacht. Nach Check-In, Grenzkontrolle und dem Ausreisestempel wurden wir wieder mit einem Bus zu unserem Flieger nach Phnom Penh gebracht. 50 Minuten Flugzeit und das volle Service-Programm, so was erlebt man auf innereuropaeischen Fluegen npur noch selten. Kaum abgehoben wurdeein warmes Abendessen serviert, spaeter kamen die Stewarts mit einem Glas Saft durch, dann mit Wein und zum Abschluss mit Kaffee. Das ganze nahm so viel Zeit in Anspruch, dass sie es kaum schafften, bis zum Landeanflug die Tabletts wieder sicher verstaut zu haben – aber Thai gibt beim Service eben alles. Mit einer kleinen Verspaetung sind wir gegen hlb acht im dunklen Phnom Penh gelandet und direkt durch die Migartions gelaufen. Auf das, in Berlin beantragte, Visum gab es einen „USED“-Stempel und kaum durch die letzte Tuer ins freie gelaufen, boten uns auch schon einige Taxifahrer eine Fahrt in die Innenstadt an. Wir lehnten zunaechst ab und gingen mit zwei Moto-Fahrern mit, die unsere grossen Trekkingrucksaecke vor sich auf den Tank stellten und uns, selbstverstaendlich ohne Helm, hintenauf setzten.

Normis Fahrer hatte seinen Helm abgetreten, weil er ihn selbst nicht tragen konnte, weil ihm der Rucksack unter dem Kinn klemmte.

Normis Fahrer hatte seinen Helm abgetreten, weil er ihn selbst nicht tragen konnte, weil ihm der Rucksack unter dem Kinn klemmte.

Fuer zwei Dollar gings dann auf dem Moped vom Flughafen ueber den Zubringer in die Innenstadt, vorbei an bluehenden und duftenden Baeumen, Motos, die mit mindestens 5 Personen besetzt waren und so weiter. Ein einziges mal wurde mir ein wenig anders, als ich an meinem Ellenbogen auf einmal die Schnauze eines Nissan Patro Jeeps spuerte und mein Motofahrer erst nach kraeftigem Hupen bemerkte, dass wir doch ein wenig naaah dran waren….
In Phnom Penh angekommen erwehrten wir uns der Versuche der Motofahrer, in eines ihrer empfohlenen Hotels zu gehen und trafen, noch an der Kreuzung im Reisefuehrer blaetternd, eine Amerikanerin und einen Franzosen. Die beiden reisen 8 Monate durch asien und empfohlen uns gleich mehrere Hotels. Wir checkten im Super Star Hotel ein fuer 12,50 $ die Nacht im Doppel. Echt sauber, mit Klima und Dusche und WC – keine Beschwerden! Nach einer Dusche, die Koerper klebten bei 30 Grad und kaum einem Lueftchen, natuerlich schon wieder, machten wir uns noch auf zu einem kleinem Spaziergang durchs naechtliche Phnom Penh an den Mekong. Fuer die letzten Dollar, die wir dabei hatten, goennten wir uns noch zwei Bierchen am Strassenrand und machten uns spaeter wieder auf den Rueckweg ins Hotel. Heute war dann erstmal Ausschlafen angesagt. Erster Besichtigungspunkt nach dem Fruehstrueck war dann das Wat Phnom.

Wat Phnom - umgeben von einer wunderbar schattigen Parkanlage, die die Franzosen hier im 19.Jh gestaltet haben.

Wat Phnom - umgeben von einer wunderbar schattigen Parkanlage, die die Franzosen hier im 19.Jh gestaltet haben.

Dieses Wat gibt der Stadt ihren Namen. Daun Penh, eine wohlhabende Witwe hatte 1372 der Legende nach in einem Fluss einen treibenden Baumstamm entdeckt. In diesem Baumstamm befanden sich fuenf Buddha-Statuen – vier aus Bronze und eine aus Stein. Aus tiefer Ehrerbietung heraus errichtet sie fuer die Statuen in der Naehe ihres Hauses auf einem Huegel ein Heiligtum fuer die Statuen. Dieser Huegel (woertlich heisst Phnom Penh „Huegel der Penh“) ist der Namensgeber der Hauptstadt Kambodschas.

Dem Kleinen war es wohl trotz Schatten zu heiss, so dass er den Wassereimer des Parkarbeiters total faszinierend fand....

Dem Kleinen war es wohl trotz Schatten zu heiss, so dass er den Wassereimer des Parkarbeiters total faszinierend fand....

Nach diesem Besuch liessen wir uns nach Tuol Sleng fahren – auch S-21 genannt. Tuol Sleng ist ein Museum ueber den Genozid in Kambodscha unter der Herrschaft der Roten Khmer. Ich halte es fuer durchaus angebracht, diesem Museum und seiner Geschichte einen eigenen Abschnitt zu widmen.

Tuol Sleng – S-21
Tuol Sleng ist bis heute der Inbegriff fuer den Genozid in Kambodscha unter den Roten Khmer. Den zweiten Namen, S-21, hat das Gefaengnis der eigentlichen Bezeichung unter den Roten Khmer zu verdanken: Security Office 21. Vor der Herrschaft der Roten Khmer beherbergte das Gebaeude eine Highschool. Die Roten Khmer funktionierten den Gebaeudekomplex um in ein Straflager fuer Aerzte, Lehrer, Intellektuelle, Militaerpersonal, Verwaltungsangestellte und andere Verdaechtige, die angeblich gegen die Revolution waren. Unter der Schreckensherrschaft hatte bereits das Tragen einer Brille als ein Zeichen fuer uebermaessige Intelligenz gestanden und wart unter Strafe gestellt – unter Todesstrafe. Mehr als 13.000 Menschen sind in S-21 zwischen 1975 und 1979 ums Leben gekommen. Haeufig wurden die Gefangenen bestialisch gefoltert. Sie wurden unter anderem in Wasserbecken getaucht, bekamen Saeure ins Gesicht geschuettet, wurden stundenlang geschlagen oder bekamen die Fingernaegel rausgezogen. All das mit dem Ziel, Gestaendnisse zu erpressen, die die Folterknechte hoeren wollten. Ganz haeufig hatten die Roten Khmer sogar ihre eigenen Leute inhaftiert, weil sie ihnen vorwarfen, nicht mehr treu zu sein, oder sich gegen die Fuehrer, also Pol Pot, oder ihre Ideologien gewendet zu haben. Das Museum ist, seit dem das Gefaengnis im Jahr 1979 von den Vietnamesen entdeckt wurde, kaum veraendert. Es gibt nach wie vor vier 3-stoeckige-Flachbauten, in denen Einzel- und Massenzellen untergebracht waren. Einige Gebaeude sind bis heute von oben bis unten in Stacheldraht eingewickelt. De…. (nicht aufhalten lassen und den Einschub erst spaeter lesen!)

(wir hatten soeben eine stunde stromausfall, also konnte ich nicht weiterschreiben. wir mussten die zeit damit verbringen, noch zwei angkor-beer zu trinken, uns von einem besoffenem briten zulabern lassen, der hier seinen lebensabend verbringt und auf die frage, was er hier mache, nur antwortet: just drinkin’!. aber jetzt sind das internet und der strom wieder da, und ich kann weiterschreiben! hab uebrigens hier mit diesem computer im pub auch die allmacht ueber die musik. hab ueberraschenderweise die bacilos aus suedamerika gefunden und die spielen jetzt im hintergrund, solang ich schreib 😉 )

…er  – Also der Zweck des Stacheldrahts war jener, dass man die Haeftlinge daran hindern wollte, ihrem Leben selbst ein Ende zu setzen. Lieber wollte man sie selbst zu Tode foltern. In den Gebaeuden kann man heute die einzelnen Zellen besichtigen, die Folterinstrumente und jede Menge Fotos, die von den Haeftlingen gemacht wurden. Die Blicke sind meist leer oder zornig. Manchmal entdeckt man aber auch ein laechelndes Haetlingsfoto, und man fragt sich, woher diese Menschen diesen Lebensmut genommen haben, angesichts der Umstaende in diesem Foltergefaengnis. Die Roten Khmer hatten uebrigens nicht nur Intellektuelle inhaftiert. Unter ihnen wurden auch kleinen Kinder, ja sogar Babys, Frauen und Maedchen inhaftiert, gefoltert, vernommen und getoetet. Alles in allem ist der Besuch in S-21 sehr bedrueckend und man fragt sich mal wieder, wie Menschen zu solchen Grausamkeiten faehig sind. Im folgenden gibts ein paar Bilder aus Toul Sleng – ich denke, sie sprechen fuer sich!

Folterzelle in Tuol Sleng - auf diesen Pritschen wurden die Gefangenen festgekettet und gefoltert

Folterzelle in Tuol Sleng - auf diesen Pritschen wurden die Gefangenen festgekettet und gefoltert

Die Opfer in S 21 - die Vietnamesen fanden bei der Befreiung 7 Ueberlebende

Die Opfer in S 21 - die Vietnamesen fanden bei der Befreiung 7 Ueberlebende

Frauen und Babys verhaftet - jepp, nicht falsch gelesen, die Babys wurden ebenso vehaftet...

Frauen und Babys verhaftet - jepp, nicht falsch gelesen, die Babys wurden ebenso vehaftet...

Truegerische Idylle - vor 1975 Kindergeschrei, danach 4 Jahre Folter und Verzweiflungsschreie.

Truegerische Idylle - vor 1975 Kindergeschrei, danach 4 Jahre Folter und Verzweiflungsschreie.

Auch ein Bild Pol Pots haengt in der Ausstellung - Besucher haben ihm die Augen ausgekratzt und Beschimpfungen auf Bild geritzt - verstaendliche Wut.

Auch ein Bild Pol Pots haengt in der Ausstellung - Besucher haben ihm die Augen ausgekratzt und Beschimpfungen auf Bild geritzt - verstaendliche Wut.

Mehr Infos zu Tuol Sleng, der Schreckensherrschaft der Khmer Rouge, ueber die Taeter und wie sie mit der Vergangenheit umgehen gibts in einem Artikel der ZEIT: Lesen? Klicken!

Nach unserem Toul Sleng-Besuch sind wir ein wenig durchs franzoesische Viertel spaziert. Unter anderem steht noch die alte Bibliotheque und das Hauptpostamt im koloinialen Stil. Als uns dann die Fuesse fast komplett einschliefen, haben wir uns wieder an die Mekong-Promenade begeben, um hier zu Abend zu essen.

Der Tonle Sap kurz bevor er mit dem Mekong zusammen fliesst.

Der Tonle Sap kurz bevor er mit dem Mekong zusammen fliesst.

Shell? Aral? BP? - Fast! Tankstelle in Phnom Penh.

Shell? Aral? BP? - Fast! Tankstelle in Phnom Penh.

Fuer Normi gabs eine Nudelsuppe mit Shrimps und ich hab mich in Khmer-Kueche probiert. Ich bestellte “Amok”. Klingt makaber, ist aber lecker. Es ist Fisch, in einem Bananen-Blatt, garniert mit einer Sauce aus Lemon-Grass und Chilli. Dazu gabs Basmati-Reis, alles in allem so lecker, dass ich mich zu der Aussage hinreissen liess: “Ich mag Amok!”. Bueno, und weil wir in diesem Pub hier ueber 4 Dollar Verzehr hatten, gabs kostenloses Internet dazu – und so sitz ich hier und schreibe – beziehungsweise schwitze mir die Seele aus dem Leib, waehrend ich auf Strom warte.

Okay, Freunde, sorry, das war heut lang, aber das Land hier ist einfach verdammt interessant und es gibt ne Menge Details zu erzaehlen. Aber es geht weiter…. Ciao aus dem voellig ueberhitzten Phnom Penh…..

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